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Werke

12.12.2011 19:30 Uhr

Kunst-Station Sankt Peter, Köln

Schlüsselwerke der Neuen Musik - Minimale Räume

„Es gibt ein menschliches Grundbedürfnis nach Schwebungen in der Musik. Vergleicht man unterschiedliche musikalische Traditionen, wird man immer wieder – in den verschiedensten Ausführungen – auf die Lust an „falschen“, d.h. minimal von den Proportionen der Teiltonreihe abweichenden Intervallen stoßen [...] Ich vermute dass das zwölftönige temperierte Tonsystem nicht trotz, sondern wegen seiner abstrakten Intervalle so verbreitet ist: wegen seiner wunderbar „falschen“, schwebungsreichen Dur- und Dominantseptakkorde.“

So schreibt Georg Friedrich Haas in seinem Text "fünf Thesen zur Mikrotonalität".

In seinem Stück trio ex una" wird ein Mess-Satz von Josquin Desprez in drei Teilen neu arrangiert bzw. kommentiert.

Uminstrumentierungen und übernommene Lininenführungen in anderem Kontext, führen immer mehr vom ursprünglichen Klangmaterial weg, das letztlich durch mikrotonale Übermalungen nur mehr aus dem entstehenden Klanggebilde fragil hervorschimmert. Unterteilt Haas den Intervallraum in kleinste Abstände, erreicht Steve Reich durch minimale metrische Verschiebungen gleichbleibender Patterns diese Unterteilung in zeitlicher Hinsicht.

In "Piano Phase" wird ein sich wiederholender Pattern auf beiden Klavieren durch zeitliche Beschleunigung eines Patterns immer weiter verschoben. Dabei treten im Zusammenklang der Pattern immer neue faszinierende Klangfacetten auf.

Auch die beiden Uraufführungen des Abends beschäftigen sich mit Parameter der Mikrointervalik sowie des Mikrotempos.

Peter Jakober arbeitet dabei mit der Überlagerung mehrerer unabhängiger Temposchichten. Das Heranführen des Klanges an eine scheinbar unmögliche Gleichzeitigkeit, deren Erreichen und deren unvermeidliches Zerbrechen im Raum, ist dabei das Hauptmotiv, um welches sich ein vielschichtiger Klangraum aufspannt.

Steffen Krebber setzt in seiner Musik Obertonskalen dem temperierten System gegenüber, erzeugt Übergänge von künstlich, elektronisch und instrumental gespielten Klängen. Er durchschreitet durch lang verlaufende Glissandolinien Intervallräume und zieht dabei Faktoren des Aufführungsraums (Nachhallzeit) in die Komposition mit ein.

Schlüsselwerke l Konzert l
Eintritt: 10 EURO / 7 EURO ermäßigt
Reservierungen: tickets(at)on-cologne.de

Programm

Georg Friedrich Haas
tria ex uno für Flöte, Klarinetten, Schlagzeug, Klavier, Violine und Cello

Steve Reich
Piano Phase für zwei Klaviere

Steffen Krebber
N.N. für Flöte, Klarinette, Schlagzeug, Violine, Cello und Klavier (UA)

Peter Jakober
N.N. für Flöte, Klarinette, Schlagzeug, Violine, Cello, Klavier und Click Tracks (UA)

Thürmchen Ensemble

Das Konzert wird gefördert von der Kunststiftung NRW.

Ort: Kunst-Station Sankt Peter
Jabachstr. 1
50676 Köln


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