ON > EINS / EINSEINS

Magazin

EINS / EINSEINS

Zentrum für Neue Musik und Medienkunst Köln

     In den letzten Tagen wurde mit großem Erfolg Karlheinz Stockhausens Sonntag aus Licht in Köln uraufgeführt. Ein Werk von gigantischen Ausmaßen, inszeniert von La Fura dels Baus, die vom Straßentheater kommend über die Industrial Culture mittlerweile zu einem der angesagtesten Regieteams für Großprojekte avanciert sind. Sonntag aus Licht war ein Ereignis – in Köln produziert, von Kölner Künstlern eingespielt und dargeboten – lockte es internationale Besucher und Presse nach Köln.

     Es wäre schön, wenn es in Köln regelmäßig und auf hohem Niveau möglich wäre, die Faszination und Innovationskraft des zeitgenössischen Musikschaffens zu präsentieren. Es muss ja nicht immer der gigantomanische Stockhausen sein. Allein: es fehlt der Ort! Es fehlt in dieser Stadt ein Raum, der ausschließlich der Präsentation und Produktion zukunftsgerichteter Musikformen und der Medienkunst vorbehalten ist.

Was wäre dort alles möglich?! Wir träumen: Das JACK Quartet interpretiert Streichquartette von Haas, drei Tage später spielen Sonic Youth Goodbye 20th Century. Kurz darauf präsentiert Ryoji Ikeda mit Dumb Type ein neues Cyber-Ballett. Harmonie Universelle arbeitet mit dem japanischen Noise-Guru Keiji Haino an einer Neuinterpretation mittelalterlicher Motetten.

Es gibt regelmäßig Aufführungen mit multimedialen Produktionen der musikFabrik; Kölner Improvisationsmusiker laden internationale Gäste zu gemeinsamen Sessions ein; eine Serie mit elektronischer Musik lotet das Spannungsfeld von elektroakustischer Komposition bis Noise aus.

Artists in Residence ersinnen mit Kölner Schülern gemeinsame Konzertprogramme. Medienkünstler erarbeiten interaktive Installationen, die im Kölner Stadtraum realisiert werden. Zusätzlich zu einem Konzertsaal gibt es Labore für die künstlerische Forschung, Hörstationen und Info-Terminals, einen Kino- und Vortragsraum, einen thematischen Plattenladen und ein Cafe.

     All das fehlt in Köln, obwohl es sehr wohl seinen Platz hier hätte, will Köln seinem Anspruch als Musikstadt, die auch in die Zukunft schaut, gerecht werden. Diese Themen fehlen beson ders schmerzhaft, wenn man sich das künstlerische Potenzial Kölns und die Nähe zu den europäischen Metropolen Amsterdam – Brüssel – Paris vor Augen führt.

Ein Zentrum für Neue Musik und Medienkunst in Köln müsste ein charismatischer Ort für Publikum, Künstler und Macher gleichermaßen sein. Ein Ort, an dem es vibriert und an dem man sich gerne aufhält. Ein Ort, an dem internationale Spitzengastspiele auf die Bandbreite der Kölner Szenen treffen.

Ein Ort der Vermittlung und des Genusses, der klanglichen Forschung und des Experiments. Immerhin ist die Schaffung eines solchen Ortes im Kulturentwicklungsplan der Stadt Köln als strategisches Ziel formuliert – ON wird nicht müde werden, hieran zu erinnern!

Auf in die Zukunft!

TILL KNIOLA

DOWNLOAD

Hier finden Sie die bereits
erschienenen Ausgaben als
PDF-Version.

Kostenfreies Programm zum
Lesen von PDF-Dateien
Adobe Reader

Ausgaben 2008

Ausgaben 2009

Ausgaben 2010

Ausgaben 2011

Ausgaben 2012

EINS/EINSZWEI.pdf

Ausgaben 2013

EINS/EINSDREI.pdf